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Leitlinien

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Leitlinien

„Eintrittskarte“ für das Glückliche Referendariat

 

 

 

 

 


„Eintrittskarte“ für den Weg zum Glück

Das Glückliche Referendariat betrachtet Bildung und Ausbildung aus einer bestimmten Sichtweise heraus. Diese ist – wie könnte es anders sein – subjektiv. Und doch wird ein universeller Anspruch erhoben: Alle Themen von Bildung und Ausbildung können konsequent systemisch-konstruktivistisch gedacht, erklärt und gelebt werden.

Das Glückliche Referendariat möchte keine „bessere“ Lehrerausbildung sein, jedoch der bestehenden eine Alternative danebenstellen. Somit besitzt die Teilnahme am Glücklichen Referendariat auch eine politische Dimension.

Auf den folgenden Seiten ist die systemisch-konstruktivistische Sichtweise dargestellt. Die grundlegende Haltung wird Ihnen wahrscheinlich bekannt sein, dennoch erscheint es mir äußerst sinnvoll, dass jeder Mitgestalter weiß, auf was er sich einlässt, welche Grundlegende Haltung er mit den andern Mitstreitern teilt. Glück lässt sich nicht erzwingen. Das Folgende stellt eine Art „Eintrittskarte“ für Sie dar, damit Sie wissen, ob Sie im „richtigen“ Film sind bzw. ob diese subjektive Sichtweise für Sie passend ist.

Ich wünsche Ihnen Freude und Glück, für Sie selbst aber auch für Ihre Schüler, weil glücklichen Lehrern unterrichten glückt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt

 

Leitlinien „Eintrittkarte“ für das Glückliche Referendariat

"Eintrittskarte" für das Glückliche Referendariat

Inhalt

Ziel der Ausbildung

Teil eines Ausbildungssystems – mehr als nur ein Baustein

Farbstruktur in der Ausbildungslandschaft

Kurszusammensetzung – Blicke über den Tellerrand

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Doppelte Blickrichtung

Bewertungen

Fortbildungskatalog

Klarheit der Darstellung

Handlungs- und erlebnisbasierende Fortbildungen

Systemisch-konstruktivistische Grundhaltung

Sichtweisen im Überblick

Der Mentor

Mentorenausbildung

 

 

 

Ziel der Ausbildung

Der Grundgedanke des Glücklichen Referendariats ist das individuelle Wachstum zu fördern. Die Ausbildung verfolgt nicht das Ziel einen oder den „richtigen“ PROferendar „herzustellen“, etwa im Sinne eines Kopiervorgangs. Der PROferendar soll nicht so werden wie sein Kursleiter!

Grundlegend ist die Auffassung, dass jeder Teilnehmer selbst den passenden Unterricht für sich und seine Schüler findet: Das Ideal ist eine doppelte Passgenauigkeit. Das Glückliche Referendariat ist somit alles andere als eine leichte Ausbildung. Mit dem folgenden Bild soll diese Haltung verdeutlicht werden.

 

 

Es ist nahezu unmöglich für einen anderen Menschen den „richtigen“ Schuh zu kaufen. Natürlich gibt es empirische Hinweise (z. B. die Schuhgröße), ob ein Schuh passt oder nicht. Aber selbst, wenn Sie um Ihre Schuhgröße wissen, reicht das nicht um den passenden Schuh zu finden. Und häufig müssen Sie Schuhe ein paar Tage tragen um zu ver„stehen“, ob sie passen.

Wer davon ausgeht, dass die eigenen Erfahrungen und das eigene Unterrichtskonzept auch das „Richtige“ für die PROs sind, der soll den Vergleich wagen: Er soll die Schuhe ausziehen oder zumindest eine Kopie von ihnen weitergeben. Es könnte schon sein, dass das Konzept so passt. Ausgeschlossen ist das nicht. Aber falls es nicht passt, quasi kein Schuh daraus wird, ist sehr wahrscheinlich nicht der PROferendar falsch, sondern das Konzept den „richtigen“ Schuh“ zu finden.

 

Teil eines Ausbildungssystems – mehr als nur ein Baustein

Ein System ist mehr als eine Ansammlung verschiedener Workshops und Seminaren. Selbst die besten Bausteine einer Ausbildung stellen ohne Vernetzung nicht mehr dar als einen „imposanten Schotterhaufen“.

 

 

 

Damit aus Bausteinen ein System wird, müssen diese miteinander kommunizieren. Es braucht eine Verbindung, eine Beziehung untereinander. Konventionell ist der Auszubildende, der die Ausbildungslandschaft begeht, auch der Einzige, der unterschiedliche Bausteine kennt, aus seiner Sicht vergleicht und abwägt, während die  Ausbilder leider selten von anderen Bausteinen wissen, wie sie gelebt werden. Das Glückliche Referendariat strebt im Gegensatz dazu eine doppelte Vernetzung an, indem (I) Dozenten und (II) Bausteine miteinander kommunizieren:

(I)                 Dozenten werden zu einem System

Das Dozententreffen ist eine notwendige Bedingung zur Teilnahme am Glücklichen Referendariat. Gegenstand ist in erster Linie die Begegnung. Hier treffen sich hochkarätige Leute, die ein Netzwerk, eine Art familiäre Struktur bilden möchten. Die Verantwortung der doppelten Passung liegt jetzt bei Ihnen: „Passt mein Baustein zum Gesamtkonzept ebenso wie er zu mir passt?“ Es geht also darum, dass ein sinnvolles Ganzes entsteht, welches das Individuum bzw. den individuellen Baustein achtet und respektiert, ggf. den eigenen Baustein modifiziert.

 

 

 

Auf dem zweitägigen Dozententreffen werden die Seminare/Workshops gegenseitig vorgestellt und „Telefon-Patenschaften“ angeregt, bringen Sie also bitte Ihren Terminkalender mit. Da das Glückliche Referendariat denzentral gedacht und angelegt ist, sind mehrere verbindliche Treffen schwierig. Wünschenswert sind mehrere kleinere, lokale Treffen.

(II)               Bausteine kommunizieren direkt

Beim Dozententreffen kommunizieren Menschen, aber noch keine Bausteine. Damit diese Kommunikation real werden kann, können alle Dozenten alle Bausteine gratis besuchen. Eine Anmeldung zu den Kursen ist erforderlich. Die Teilnahme als Dozent ist gleichsam eine Dauerkarte für das Glückliche Referendariat. Damit zumindest eine minimale Vernetzung stattfinden kann, ist eine Teilnahme (mind. zwei Minuten) an zumindest einem fremden Baustein erforderlich. Natürlich sind zwei Minuten zu wenig, aber jede andere Zeitangabe könnte falsch verstanden werden. Gerne also mehr, gerne viel mehr!

 

 

 

Farbstruktur in der Ausbildungslandschaft

Der PROferendar betritt eine Ausbildungslandschaft, die aus 40 angebotenen Seminaren besteht. Die Übersichtlichkeit dieser bunten Landschaft wird mittels einer Farbstruktur umgesetzt:

Die verschiedenen Wissensgebiete erhalten folgenden Farbcode:

 Blau: Strukturelles Denken - Mathematik und Naturwissenschaft 

 Rot: Kommunikation - Sprachen  (Deutsch, Englisch, Spanisch, ...)

Grün: Beziehungen - zu Gott, zum Selbst, zu den Wurzeln, zur Gesellschaft (Religion, Geschichte, Gemeinschaftskunde, Kunst, Musik, Sport, ...)

Gelb: Sonstiges - Überfachliches (Kommunikationsmodelle, Konstruktivismus, Hirnforschung, Pädagogik, Schulrecht)

 

Bitte schätzen Sie die Farbanteile in ihrem Kurs ein. Hier ein Beispiel für den dreitägigen Kurs „Mathematik als Abenteuer“.  

 

 

 

Strukturelles Denken, Mathematik, Naturwissenschaften

Sprache

Beziehung zum Selbst und zur Gesellschaft

Auf dem ersten Blick erscheint das Thema blau, auf den zweiten Blick geht es jedoch auch um Versprachlichung von Inhalten, um Argumentation und Diskussionen. Schließlich ist der Anteil an kultureller Bildung nicht zu knapp.  

 

 

Jeder Kurs erhält auf diese Weise ein Farbspektrum. Es wird nicht alles in ein Farbschema passen. Es gibt Kurse, die sich nicht direkt einem Fächerverbund zuweisen lassen, daher gibt es noch die gelbe Farbe. An dieser Stelle ein Appell: Pädagogik und Didaktik sollen nicht zum Selbstzweck da sein, sondern  mit konkreter Fachlichkeit verschränkt werden. Gesucht sind daher vor allem Bausteine, die die systemisch-konstruktivistische Grundhaltung an dem, was in der Schule gelernt werden soll, exemplarisch aufzeigen: Es geht ganz konkret um Englisch, um Groß- und Kleinschreibung, um die Addition zweier Brüche, … So wichtig die grundlegende Haltung ist: Erst im Konkreten wird diese lebendig. Die große Sorge ist, dass ohne exemplarische Beispiele der PROferendar alleine vor der Gestaltung eines konkreten Themas steht und wenn es konkret wird, automatisch auf die Methoden zurückgreift, die er selbst in seiner eigenen Schulzeit erlebt hat. Daher die dringende Bitte um die Verschränkung von Fachlichkeit und Haltung.

 

Kurszusammensetzung – Blicke über den Tellerrand

Jedes Seminar, jeder Baustein im Glücklichen Referendariat stellt eine Hand dar, mit der etwas bewegt werden kann. Von Beginn der Ausbildung an soll das Verbindende, das Gemeinsame mitgedacht und die interdisziplinäre Begegnung gefördert werden. Aus diesem Grund ist das Dozententreffen als Begegnungsraum bindend, ebenso die „zweiminütige“ Teilnahme als Dozent an mindestens einem weiteren Kurs (s. oben: „Teil eines Ausbildungssystems“). Was wegführend für die Dozenten ist, ist es auch für die Kurszusammensetzung.

 

 

Wenn die linke Hand weiß, was die rechte tut, dann beginnt systemisches Arbeiten. Eine Hand alleine kann nie so viel schöpfen und bewegen, wie das glückliche Zusammenspiel mehrerer Hände. Zwei Hände die isoliert arbeiten können höchstens das Doppelte einer Hand erreichen, zwei Hände die kooperieren können ein Vielfaches!

  • Aus diesem Grund wird den PROs die Empfehlung ausgesprochen, ganz bewusst in die Fremde zu ziehen: Ca. 25 % der Ausbildung soll mit fachfremden Bausteinen belegt werden. Ein Beispiel: Wenn ein Kurs für Mathematik SEK II ausgeschrieben ist, können PROs mit dem Schwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“  im Seminar sein.
  • Die Kurse werden ebenfalls an praktizierende Lehrer ausgeschrieben. Bis zu einem Drittel der Kursteilnehmer können/sollen erfahrende Lehrer sein. Eine Begegnung zwischen den Generationen ist ausdrücklich erwünscht.

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Was in einem Seminar geschieht, lässt sich – wenn überhaupt – nur sehr bedingt kontrollieren. Das betrifft sowohl die Konstruktionen im Bewusstsein der Teilnehmer als auch die Verantwortlichkeit für den Dozenten in der Planung des eigenen Kurses. Natürlich muss Ihr Angebot als Dozent in die Ausbildungslandschaft des Glücklichen Referendariats passen, aber was konkret wo geschehen soll, dass wissen Sie als Gestalter am besten.

Doppelte Blickrichtung

Glückliche Dozenten ermöglichen glückliche Bausteine. Es ist sehr wichtig, dass Sie für Ihre Sache brennen, denn „nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.“[1] Ebenso wichtig wie der Blick nach innen ist der Blick nach außen:

Was benötigen junge Lehrer zu Beginn ihrer Ausbildung?
Was benötigt ein junger Geist, um sich (eigenständig) zu entwickeln?

Aber Achtung: Es ist nicht Ihre Aufgabe, den PROferendar wachsen zu lassen, das geschieht von selbst bzw. autonom und innengesteuert. Fühlen Sie sich ein in die Welt des Beginnes. Oft ist weniger mehr. Mut zur Lücke! Mut zur Gründlichkeit!

Bewertungen

Offensichtlich sind Bewertungen abhängig von der jeweiligen Sichtweise. Eine allgemeine, objektive Beurteilung ist höchstens dem lieben Gott vorbehalten – alle anderen Bewertungen sind prinzipiell (!) subjektiv.

Daher gibt es im Glücklichen Referendariat statt Noten ein Portfoliokonzept. Die künftige Schule des künftigen Lehrers entscheidet (subjektiv), ob der PRO in das dortige System passt oder nicht.

Auch wenn es keine Noten gibt, so gilt es doch das Zertifikat „Glückliches Referendariat“ zu schützen. Wenn Sie in Ihrem Kurs einen Teilnehmer haben, der nach Ihrem Ermessen nicht oder noch nicht unterrichten sollte, geben Sie mir bitte umgehend Bescheid. Das „Glückliche Referendariat“ ist weder ein Auffangbecken für Gescheiterte noch eine Therapie. Wer das Zertifikat erhält, soll (aus Sicht des Glücklichen Referendariats) glücklichen Unterricht ermöglichen können. Insbesondere für die Lehrkraft und für die Schüler.

Fortbildungskatalog

(I)                 Vita – kein Mensch ist austauschbar!

Begriffe wie „ersetzbar“ oder „austauschbar“ sind maschinelle Konzepte und lassen sich im Allgemeinen nicht auf soziale Systeme (z. B. Unterricht) übertragen. Jeder Mensch hat eine


 

[1] Augustinus Aurelius

 

 

Vergangenheit, gleichsam ein Wurzelwerk seiner Herkunft, die das Bezugssystem seiner künftigen Entscheidungen darstellt. Bei technischen Systemen spielt die Vergangenheit einzelner „Bauteile“ keine Rolle. Was einer Schraube in der Vergangenheit widerfahren ist, spielt für deren „Einsatz“ keine Rolle. Sie „funktioniert“ einfach. Anders formuliert: Schrauben haben keine Wurzeln. Im Gegensatz dazu denken und handeln Lehrende und Lernende bei denselben Themen, im Umgang mit denselben Menschen unterschiedlich – einfach deswegen, weil jeder seine eigene Geschichte, seine individuelle Vita hat.

 

Heinz von Foerster spricht in diesem Zusammenhang davon, dass der Mensch keine „triviale Maschine“ ist. Während der gleiche „Input“ bei einer Kaffeemaschine (Kaffeebohnen und Wasser) gleiches bewirkt (frischer Kaffee), trifft ein Mensch bei gleicher Anregung aufgrund einer internen Systemlogik Entscheidungen. Jeder, sei es der Lehrende oder der Lernende, erlebt aufgrund seiner Vergangenheit den gleichen Unterricht unterschiedlich.

Das ist ein wesentlicher Bestandteil des Glücklichen Referendariats: Die mechanische Logik fragt nicht nach der Vergangenheit. So spielt es im konventionellen Unterricht leider häufig keine Rolle, was der Schüler bereits oder was der Lehrer bereits erlebt hat. In einer Organisation lässt sich der ganze Mensch nicht austauschen, nicht einmal seine „Funktion“. Ein anderer Dozent mit einer anderen Vergangenheit wird denselben Kurs anders gestalten. Daher kommt der Vita in der Kursausschreibung eine hohe Bedeutung zu. Für den Empfänger ist es interessant zu wissen, wo der Kursleiter, zumindest in groben Zügen, seine Wurzeln hat.

 

Klarheit der Darstellung

„Der Lernende  entscheidet, was gelehrt wurde.“ Dieser Satz will nicht falsch verstanden sein: Es kommt sehr wohl auf die Klarheit der Ausschreibung an! In einem schwammigen Kurs kann schwerlich Klarheit beim Lernenden entstehen. Um ein Beispiel zu geben: In beiden Bildern konstruiert der Empfänger aus den Fortbildungsinhalten. Versuchen Sie die Bausteine zu zählen, im linken Bild wird es Ihnen leichter fallen.

(I)                 Handlungs- und erlebnisbasierende Fortbildungen

Die verschiedenen Seminarbausteine stellen Umgebungen für die Entwicklung des PROs dar. Demzufolge gibt es keinen „richtigen“ oder „falschen“ Baustein. Allerdings gibt es (aus Sicht des Glücklichen Referendariats) „passende“ und „unpassende“ Bausteine. Entwicklung erfolgt geistig und körperlich. Daher passt kein Baustein der Wissen eintrichtern möchte, der keine Bewegung, kein eigenständiges Handeln der PROs unterstützt. Als grobe Richtlinie gilt: 2/3 der Zeit erfährt/lernt/konstruiert der PRO durch sein eigenes Handeln.

Systemisch-konstruktivistische Grundhaltung

Das PROferendariat basiert auf einer konstruktivistisch-systemischen Sichtweise auf Lernen und Lehren. Ausgangspunkt ist der PROferendar (PRO). Aus konstruktivistischer Sicht lässt sich dem PRO nichts beibringen, alles Denken geschieht ausschließlich in dessen (subjektiver) Wirklichkeit. Statt ihm also etwas bei-zubringen liegt es nahe, ihm etwas nahe-zubringen. Er lernt selbstständig von dem, was ihm nahe ist – das wird im Folgenden seine Umgebung genannt.


Seine Umgebung ist sehr komplex. Sie besteht aus PROferendaren, Schülern, den Lernräumen und Lernmöglichkeiten, der Schule und ihrer Verwaltung, den Lehrerkollegen, dem Kursangebot des PROferendariats, der persönlichen Lebenssituation, den persönlichen Begabungen, usw.

Sichtweisen im Überblick

Der Mentor ist nicht der einzige Beobachter. Die folgende Skizze gibt einen Überblick über die sechs zentralen Beobachtungen.

 

 

Der Mentor (1), die Schüler im Unterricht (2), die MitPROfer<s>e</s>ndare (3), die Schule bzw. die Kollegen und die Schulleitung (4) unterscheiden sich wesentlich von ihrem Standpunkt und somit von ihrer Blickrichtung, gehören aber alle zur selben Kategorie. Sie sind alle direkte äußere Beobachter.

Ein anderer Standpunkt ist der eigene (5). Es handelt sich um Selbstreflexion: Der PRO vergleicht sich mit sich selbst zu einem früheren Zeitpunkt. Dieser Punkt ist sehr wichtig und wird innerhalb der Ausbildung durch ein Portfoliokonzept unterstützt. Statt Bewertungen durch das PROferendariat bildet dieses die Grundlage für Stellenbewerbungen des PROs.

Schließlich gibt es noch einen externen Coach (6). Er beobachtet nicht nur den PRO, sondern auch dessen Beobachter. Man spricht von einem Beobachter der zweiten Ordnung.

 

Der Mentor

Ein sehr wichtiger Teil der (Lern-)Umgebung des PROferendars ist der Mentor, da er eine Außensicht ermöglicht. Ein PROferendar kann sich niemals direkt von außen beobachten. In der Regel bemerkt er meist gar nicht, dass er sich (z. B. im Unterricht) selbst nicht sieht. Mit den Worten von Heinz von Foerster: „Wir sehen nicht, dass wir nicht sehen.“

Der Mentor wird zur äußeren Sehhilfe für den PROferendar. Und genau das ist seine Aufgabe: Er spiegelt das Verhalten des PROferendars. Ganz im Sinne von Jochen Grell brauchen Lehrer keine Beurteilung oder Bewertung, sondern einen Spiegel.

In der Skizze entspricht die innere Sichtweise der Selbstwahrnehmung (Gedankenkonstruktion des PROs), die äußere Sichtweise der Fremdwahrnehmung. Der Sehtrichter des Mentors soll andeuten, dass dieser ebenfalls nur subjektiv, von einem bestimmten Blickwinkel bzw. von seiner Position aus die Dinge wahrnimmt. Das wird unmittelbar klar, wenn ein zweiter Beobachter (etwa ein MitPRO, die Schulleitung, ein Schüler, ein weiterer Mentor) im Raum ist. Dieser hat einen anderen „Standpunkt“ und somit einen anderen „Blickwinkel“. In der gesamten Ausbildung des PROferendariats gibt es niemanden, der den „richtigen“ oder gar den „allgemeingültigen“ Standpunkt einnehmen könnte.

 

 

Für ein Reflexionsgespräch bedeutet das, dass jede (!) Äußerung subjektiv ist. Das erfordert eine Feedbackkultur (vgl. Mentorenausbildung). Ziel ist nicht den „guten“ oder „richtigen“ Unterricht zu finden – oder noch schlimmer: Den Lernenden dazu zu bringen, dass er „richtig guten“ Unterricht macht, etwa in dem Sinne, dass es irgendwo in der Welt den „richtig guten“ Unterricht geben würde. Ziel ist ein stimmiger Unterricht, der sowohl für den PROferendar passt, als auch für seine Schüler und zur Schule. Das Ideal ist somit Stimmigkeit und Passgenauigkeit.

Der Mentor kennt die schulische Landschaft, aber er kennt nicht das Bewusstsein des PROs. Er weiß nur die eine Hälfte, für die andere braucht es viel Empathie. Und auch wenn der Mentor die Umgebung und den PRO kennen würde, so ist es doch unmöglich, die Reaktionen beim Zusammentreffen von PRO und der schulischen Landschaft voraussagen zu können. Das System ist zu komplex. Eine Formulierung in der Art, dass „man das so und so macht“ erscheint demnach höchst unpassend. Erstens, weil es dieses allgemeine „man“ nicht gibt und zweitens, weil Unterricht stets eine Resonanzerscheinung zwischen Sender (Lehrer) und Empfänger (Schüler) ist. Was bei dem einen PROferendar, Lehrer, Referent, etc. klappt, muss beim anderen ganz und gar nicht klappen. Die Grundhaltung ist, dass der PRO selbst findet, was für ihn in der schulischen Welt stimmig ist. Aber er benötigt dringend eine äußere Wahrnehmung, einen Spiegel, um sich selbst entwickeln zu können.

Somit fällt dem Mentor die Rolle des Scouts zu, der Möglichkeiten und Wege aufzeigt. Der PRO ist der Reisende, der versucht, in dem für ihn neuen Land Fuß zu fassen.

Das Reflexionsgespräch ist der Nährboden für das persönliche Wachstum der jungen Lehrerpersönlichkeit. Ein Hinweis auf ein gelungenes Gespräch besteht darin, dass sich beide Gesprächspartner weiterentwickelt haben. Um es ganz klar zu machen: Aufgabe des Mentors ist nicht eine geeignete Kopie (von sich oder einem Ideal) herzustellen und diese dann im Sinne der Abbildungstreue als richtig oder falsch zu „bewerten“. Ausbildung ist keine Abbildung!

 

Es werden daher hohe Anforderungen an die Mentorentätigkeit gestellt. Der Mentor soll Wege aufzeigen, ohne dabei einzuengen. Das Bild vom Wachstum einer Pflanze verdeutlicht sein Wirken: Er schafft einen Rahmen, jedoch kann er die Pflanze selbst nicht wachsen lassen. Sie gedeiht – in einer geeigneten Umgebung – ganz von selbst.

Zwei Prinzipien, die diametral zueinander stehen, spannen den Betreuungsraum auf: Das sorgende und das fordernde Prinzip.

Sorgendes Prinzip: Wachstum geschieht in Geborgenheit. Der junge Keim braucht Schutz. Grundgedanke des PROferendariats ist es, einen geschützten Entfaltungsraum zu geben. Lehrersein ist ein extrem komplexer und ein sehr persönlicher Beruf, da kann man zu Beginn stark in Frage gestellt werden. Der junge Geist benötigt im Sinne von Goethe Wurzeln, ansonsten wird das mit dem Fliegen oder Unterrichten nichts.

Forderndes Prinzip: Aber nur Schutz, Geborgenheit und Sicherheit bergen die Gefahr des Stagnierens. Der PRO darf sich auch eine blutige Nase holen, es muss nicht alles glattgehen. Das eigene Fliegen lernt sich am besten, wenn man selbst fliegt. So soll der Mentor auf der anderen Seite zum Wachstum anstacheln, Forderungen oder Aufgaben stellen, an denen der PRO wachsen kann.

Die beiden Prinzipien stehen in einem paradoxen Verhältnis. Diese Paradoxie gilt es, stets aufs Neue in der konkreten Situation zu lösen. Es geht nicht darum Paradoxien zu vermeiden (diese sind der Normalfall), sondern um den beherzten Umgang mit ihnen.

Mentorenausbildung

Die Mentorenausbildung findet kompakt vor Beginn des PROferendariat in Form eines viertägigen Kurses mit folgenden Inhalten statt:

  • Einführung in systemisches Denken und Konstruktivismus
  • Feedback (Fremd- und Selbstbild)
  • Systemische Aufstellungsarbeit
  • Einführung in grundlegende Kommunikationsmodelle (Nachrichtenquadrat, Riemann-Thomann, Wertequadrat, Inneres Team) 

 

Kurskosten: 400 Euro
Termin: (zwei Mögliche Termine: XXX) Ort: Schwarzhornhaus

Der Mentor trägt 20 % der Kurskosten selbst, den Rest die Schule.

Für die Betreuung des PROferendars (zwei Unterrichtsbesuche pro Monat, Nachbesprechung, gemeinsame Vorbereitung, etc.) erhält der Mentor von der Schule  die Anrechnung einer Wochenstunde.

 

 

Verantwortlich für den Inhalt:
Akademie Biberkor, Biberkorstr. 23, 82335 Berg-Höhenrain
Vertreten durch den Vorstand

Weitere Informationen unter: www.biberkor.de Akademie / Lernzukunft - Proferendariat

 

 

 

 

 

[1] Martin Wagenschein - Zum Begriff des exemplarischen Lehrens, Beltz, Weinheim und Basel, 1959, [W 128]

[2] Augustinus Aurelius