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Wednesday, 2011-05-25 17:40 Age: 7 Years
Category: Allgemein

"Die ZEIT" auf Biberkor

Jan-Martin Wiarda, der als Redakteur der ZEIT über Deutschlands Bildungslandschaft schreibt, war früh morgens aus Hamburg angereist, um sich einen Schul(all)tag lang ein Bild zu machen.

Herr Wiarda war neugrierig, wie an einer Einrichtung gelebt und gearbeitet wird, die von Kindern und Jugendlichen unterschiedlichster Begabung besucht wird - und das vom Kinderhaus bis zur Oberstufe, mit drei Schularten unter einem Dach.

Anlass des Besuches war der Englischunterricht von Tobias Wolf, einem jungen Mann mit Down Syndrom, der seit einigen Jahren in regelmäßigen Abständen mit unseren Grundschulkindern arbeitet: Ein besonderes Beispiel dafür, "dass das Konzept Inklusion Realität sein kann", wie Jan-Martin Wiarda findet. Woraufhin eine ZEIT-Leserin aus Ludwigsburg als Antwort auf seinen Artikel unter DIE ZEITonline schreibt: "Ich wünschte, wir wohnten in der Nähe dieser Schule".

Hier der Bericht des ZEIT-Redakteurs und eingegangene Leserbriefe (bis 18.06.):

In der Montessori Schule Biberkor wird Inklusion bis ins Kollegium realisiert: Tobias Wolf, ein junger Mann mit Down Syndrom, arbeitet dort als English Teacher Assistant. Er stellt Schülern englische Kinderlieder vor und erarbeitet mit ihnen die Texte. Der 31-Jährige zeigte Jan-Martin Wiarda, dass das Konzept „Inklusion“ Realität sein kann: Schüler mit unterschiedlichem Förderbedarf lernen hier tagtäglich zusammen. Denn obwohl Deutschland sich per UN-Konvention zur Inklusion verpflichtet hat, ist die Umsetzung oft schwierig: zu große Klassen, zu wenig Lehrer, Angst vor dem Anderssein, kein Geld bzw. Streit darüber, aus welchem Topf gezahlt werden soll.

Jan-Martin Wiarda beim Begrüßungsklatschspiel in der Montessori Schule Biberkor

In der Montessori Schule Biberkor wird Inklusion bis ins Kollegium realisiert: Tobias Wolf, ein junger Mann mit Down Syndrom, arbeitet dort als English Teacher Assistant. Er stellt Schülern englische Kinderlieder vor und erarbeitet mit ihnen die Texte. Der 31-Jährige zeigte Jan-Martin Wiarda, dass das Konzept „Inklusion“ Realität sein kann: Schüler mit unterschiedlichem Förderbedarf lernen hier tagtäglich zusammen. Denn obwohl Deutschland sich per UN-Konvention zur Inklusion verpflichtet hat, ist die Umsetzung oft schwierig: zu große Klassen, zu wenig Lehrer, Angst vor dem Anderssein, kein Geld bzw. Streit darüber, aus welchem Topf gezahlt werden soll.

Mit kleinen Wortkärtchen erarbeitet Tobias Wolf (Mitte) spielend den Wortschatz mit den Schülern

Der Besuch von Jan-Martin Wiarda begeisterte Tobias Wolf:„Danke, Herr Wiarda, dass Sie gekommen sind und dass Sie zugeschaut haben bei dem Song ‚Five Little Monkeys’ und Danke fürs Mitspielen beim Memory.“

Leser-Kommentare:

19. Juni 2011 um 18:31 Uhr | Ingrid Riede

Vom gemeinsames Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten in Kindergarten und Schule profitieren beide. Das beste Mittel gegen die beklagte Gewalt. Mehr Investition in geeignete Lehrer/innen und Kindergärtner/innen rechnet sich in jeder Hinsicht!! Es ist ein Jammer, dass diese Tatsache bei den gesetzgeberischen Gremien immer noch nicht angekommen ist!!!!zum Schaden der Jugend und unserer Gesellschaft.

20. Juni 2011 um 12:58 Uhr | Dr. Elzbieta Szczebak

Danke für diesen Artikel! Er macht vielen Eltern Mut, aber vor allem macht er auch auf Menschen mit besonderem Förderbedarf aufmerksam. Es wäre schön, immer wieder über sie in der Presse zu lesen.Viele Grüße,Elzbieta Szczebak

20. Juni 2011 um 16:27 Uhr | Anja Hübel

Ich wünschte, wir wohnten in der Nähe dieser Schule. Denn für meinen Sohn mit dem Down-Syndrom gibt es hier in Ludwigsburg wenig Chance auf Inklusion. Er wurde schon mit 3 Jahren gegen meinen Willen "ausgesondert" und muß einen Schulkiga für Körperbehinderte besuchen, in dem die (meist mehrfachbehinderten) Kinder nicht in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren. Keine Chance für ihn dort also, durch ein normales Miteinander die sozialen Regeln zu erlernen. Und das ist für ihn viel wichtiger als das ABC!Noch schlimmer finde ich es aber, Kinder mit einer sogenannten "Lernbehinderung" aus der Regelschule auszuschließen. Denn Kinder lernen sehr viel von einander, und gerade diese Schüler brauchen eine stimulierende Umgebung, in der sie von den stärkeren "mitgenommen" werden. Fazit: die Sonderpädagogen gehören mit den besonderen Kindern ins Klassenzimmer der Regelschule. Keine Apartheid mehr! Diese Aussonderung hat für die ganze Gesellschaft verheerende Folgen. Als Engländerin sehe ich das klarer als manche.

20. Juni 2011 um 20:37 Uhr | Sylvia Neu

Inklusion und Integration sollte man als Selbstverständlichkeit betrachten. Nicht NUR aber vielleicht BESONDERS in Verbindung mit Behinderung. Viele Menschen sind sich offensichtlich nicht bewusst, dass sich auch ihr Leben in nur einem kurzen Moment ändern kann. Erst dann ist die Umsetzung möglich, wenn sich dessen alle klar sind. Der Bericht über diese Schule ist wirklich schön zu lesen, aber für viele Eltern die schon um noch einfachere Dinge kämpfen müssen, einfach nur eine Geschichte. Unter den tausend und abertausend erwerbslosen Menschen in Deutschland gibt es sicher unzählige, die einem Lehrer zur Seite stehen können als Assistent für Schüler mit speziellem Ausbildungsbedarf. Ein weiteres Problem Deutschlands ist, dass man eventuelle positive Resultate nicht messen kann, alleine der soziale Effekt für einen lern- oder körperbehinderten Menschen ist der deutschen Leistungsgesellschaft nicht ausreihend. Hut ab vor allen die sich trotzem dafür einsetzen und weiter dafür kämpfen!! Hut ab vor allen Eltern die stoz auf und verliebt in ihre "anderen" Kinder sind!!Freundliche GrüsseSylvia Neu

20. Juni 2011 um 22:32 Uhr | Cornelia Hund

Als Mutter eines noch sehr kleinen Jungen mit Down-Syndrom bin ich wahnsinnig optimistisch, dass die Entwicklung des ungezwungenen und natürlichen Miteinander in unserer Gesellschaft auf dem guten Weg ist. Mein Kind wurde mit 20 Monaten ungesehen von einem ganz normalen Provinzkindergarten in einer süddeutschen Kleinstadt in eine Ganztageskinderkrippe aufgenommen. Die Eltern, die vor 10 Jahren für Ihr Kind mit Down-Syndrom eine Aufnahme in ebendiesem Kindergarten erkämpft haben, habe ich auch schon kennengelernt. Komischerweise nehmen sich diese Eltern heute die Freiheit, Ihr Kind in einer Spezialschule für besondere, betreute Kinder zu beschulen.... um ihrem Kind einen entspannten Rahmen zu bieten... Ich denke, diese Eltern sind von den Kämpfen um einen Platz in der Normalität ermüdet. Es ist schwierig den Weg zu finden, das Anderssein des Kindes und einen gewissen Status quo zu akzeptieren, und gleichzeitig auch nicht aufzugeben.

20. Juni 2011 um 22:49 Uhr | Silke Raffo

Danke für Ihren Artikel! Dass Integration in Deutschland tatsächlich Inklusion sein könnte - und das sogar auf beruflicher Ebene - das habe ich bisher, wenn überhaupt, selten anklingen hören. Ich bin begeistert!Viel zu wenig wird bei der aktuellen Situation um schulische Inklusion auch darauf verwiesen, wie wichtig das Zusammenlernen der Guten (hier sogar Hochbegabten) mit denjenigen ist, die (etwas) mehr Förderung benötigen - ach, da falle auch ich schon wieder in bekannte Formulierungen zurück... Es geht doch um die "individuelle Förderung" JEDES Kindes, wie sie mittlerweile in den Schulgesetzen der Bundesländer zumindest als Anspruch gefordert ist! Doch wie sollen dies Lehrer/innen unter den gegebenen Bedingungen erreichen? Derzeit wird das deutsche Bidlungssystem doch an sich keinem Schüler wirklich gerecht. Am wenigsten denjenigen, die aufgrund ihrer persönlichen oder familiären Vorbedingungen mehr Zuwendung benötigen. Es gibt so viele Fragen, die Sie gern in weiteren Artikeln thematisieren können! Herzlichen Dank dafür!

21. Juni 2011 um 10:04 Uhr | Silke Baltersee

Ein tolles Beispiel für "gelebte" Inklusion.Leider ist Deutschland in diesem Bereich noch ein absolutes Entwicklungsland.Es ist sehr schade, dass die Menschen mit Förderbedarf durch die ewigen Streitigkeiten um Personal und Gelder oft durchs Raster fallen und somit ihre Fähigkeiten nicht gefördert und genutzt werden!